Der perfekte Start ins Leben
TV Sendung ZDFinfo - 29.04.2010           Fenster schließen

Abenteuer Wissen Der perfekte Start ins Leben

Schon im sechsten Schwangerschaftsmonat sind Babys im Mutterleib eigenwillige Persönlichkeiten. Am Beispiel der Schwangerschaft einer 30-Jährigen illustriert "Abenteuer Wissen", was Forscher in jüngster Zeit über die "Erlebniswelt" des Fötus herausgefunden haben. Wie reagiert das Ungeborene auf Stress? Wie hört es im Mutterleib? Woran kann es sich auch nach der Geburt erinnern?

Mit einem Videotagebuch dokumentiert die werdende Mutter ihre Schwangerschaft und registriert die Reaktionen ihres Babys. Frau Lachmanns Sohn hat jetzt schon einen ausgeprägten Musikgeschmack. "Der Kleine steht auf Tschaikowsky. Während ich dachte, Walzer sei Walzer, und Musik ist für alle Babys gleich, musste ich feststellen, dass er sich bei Strauss dezent zurückgehalten hat und bei Tschaikowsky so richtig schön im Takt mitgestrampelt hat." Musik, Gerüche, Stimmen, Sprachen, Herztöne - mit welcher Prägung gelingt der perfekte Start ins Leben?

Wissenschaftler sind überzeugt: Die neuen Erkenntnisse über die "perinatale Programmierung" werden die Schwangerschaftsvorsorge in naher Zukunft revolutionieren.

Wie lernen Säuglinge, sich in der Welt zurechtzufinden? Am Anfang ist alles ein einziges Chaos neuer Reize und Informationen. Zu Wörtern gehören Objekte - aber wie begreift ein Baby, dass ein Hund ein Hund oder ein Auto ein Auto ist? Wie lernen Kleinkinder Sprachen? Kann man Intelligenz schon bei Babys fördern? Für Hirnforscher und Entwicklungspsychologen sind das Fragen, die schwer zu erforschen sind, denn Babys können sich nicht artikulieren. "Abenteuer Wissen" gibt einen Einblick in das Baby-Labor von Prof. Sabine Pauen an der Universität Heidelberg. Sie versucht verhaltenspsychologische Experimente durch hirn- und herzphysiologische Messungen zu untermauern und zu erklären.

Im OP-Saal überträgt eine endoskopische Kamera fotorealistische Live-Bilder aus dem Mutterleib. Sie offenbaren ein Drama, in dem Zwillinge im vierten Schwangerschaftsmonat um ihr Leben kämpfen. Der eine strampelt mit rasendem Herzschlag. Er ist viel größer als sein genetisch identischer Bruder, der sich kaum bewegt. Die Mutter erlebt den Kampf ihrer Zwillinge bei vollem Bewusstsein. Sie drohen am so genannten fetofetalen Transfusionssyndrom zu sterben, bei dem sich eineiige Zwillinge eine Plazenta teilen und durch Blutgefäße direkt miteinander verbunden sind. Der eine wird infolgedessen überversorgt, der andere unterversorgt. Ein Notfall für den Hamburger Pränatalmediziner Prof. Kurt Hecher.

Er ist einer von europaweit vier Spezialisten, die über das Know-how und das Fingerspitzengefühl verfügen, die feinen Adern durch eine Laseroperation zu trennen. Die Tage danach werden für den Arzt und die Eltern zur Nervenprobe. Werden beide Zwillinge überleben? Ein Beitrag über Zwillinge, Drillinge und Noch-Mehrlinge, die als Folge der Reproduktionsmedizin immer häufiger werden.


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